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«O altes grandioses Haus»

Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Zeit des Alpinismus einen ersten Höhepunkt. Hotels wurden gebaut, vor allem in Zermatt. Doch auch die Gemeinde St. Niklaus hatte grosse Pläne und baute ihr eigenes Grand Hotel. Eine Geschichte von grossen Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen.

1925 schrieb die Visp-Zermatt-Bahn-Gesellschaft in ihrem Reiseführer, es sei schwer vorstellbar, sich das damalige bunte Treiben von St. Niklaus zu vergegenwärtigen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Blütezeit des Alpinismus übernachteten ganze Karawanen in Zaniglas, wie das Dorf auf Walliserdeutsch genannt wird, das auf halber Strecke zwischen Visp und Zermatt liegt. Die rund 35 km und 1000 Höhenmeter vom Tal bis ins Bergdorf waren zunächst nur per Fussweg begehbar und in einem einzigen Tag unmöglich zu bewältigen.

Der Alpinismus brachte Geld, Ideen und Tatendrang ins Mattertal. In St. Niklaus lebte eine beachtliche Anzahl an hervorragenden Bergführern, die mit Alpinisten aus der ganzen Welt gutes Geld verdienten. So eröffnete die Burgergemeinde St. Niklaus 1868, nur drei Jahre nach der Erstbesteigung des Matterhorns, das Grand Hotel. In der ersten Zeit lief das Hotel bestens: In den rund 60 Betten übernachteten Bergsteiger, Gepäck- und Sesselträger, Fuhrleute und Bergführer. Eine Übernachtung kostete damals einen Franken.

Doch das Hotel sollte zu einem «Schicksalsbau» werden. Die Finanzierung wurde Jahr für Jahr schwieriger und das Hotel wechselte unzählige Male den Besitzer. Drückende Schulden und zwei Weltkriege waren für das Grand Hotel verheerend. Und auch die Bahnstrecke Visp–Zermatt spielte eine Rolle: Die ursprünglich zweitägige Reise konnte plötzlich in knappen drei Stunden bequem im Zug zurückgelegt werden. Die Anziehungskraft des Matterhorns war für die von weit her gereisten Alpinisten wohl zu gross, um eine Pause in St. Niklaus einzuplanen.

Heute existiert das Grand Hotel nicht mehr. Es lag längere Zeit im Besitz der Elektrogeräteherstellerin Scintilla AG und wurde schlussendlich 1977 abgerissen.

«O altes, grandioses Haus,
wie siehst du jetzt so trostlos aus!
Warst früher einst St. Niklaus‘ Stolz,
aus Stein gebaut und nicht aus Holz!
Bot’st Gästen aus der weiten Welt
Einst Kost und Bett um gutes Geld...»

Auszug aus einem Gedicht des Pfarrers Karl Burgener
zur Geschichte des Grand Hotels