Matterhorn Gotthard Bahn

 

Sie sind hier > Winter > Entdecken > Stories > Trendsport Laufen

Mit Köpfchen über die Ziellinie

Trendsport Laufen

Aufgeregt stand Josianne Wirthner 2006 am Start des Zermatt Halbmarathons. Erst ein Jahr zuvor hatte sie mit dem Laufsport begonnen. Sie war sich nicht sicher, ob sie die Strecke von 21 Kilometern meistern würde. Zu ihrer eigenen Überraschung schaffte sie es über die Ziellinie. Heute, 13 Jahre und 136 Wettkämpfe später, weiss sie: Vieles ist eine Sache der Einstellung.

TEXT: Deborah Bischof | Kundenmagazin «Höhenzug»

Gornergrat Zermatt Marathon

Aufgeregt stand Josianne Wirthner 2006 am Start des Zermatt Halbmarathons. Erst ein Jahr zuvor hatte sie mit dem Laufsport begonnen. Sie war sich nicht sicher, ob sie die Strecke von 21 Kilometern meistern würde. Zu ihrer eigenen Überraschung schaffte sie es über die Ziellinie. Heute, 13 Jahre und 136 Wettkämpfe später, weiss sie: Vieles ist eine Sache der Einstellung.

«Mich draussen in der Natur zu bewegen, gibt mir Energie», begründet Josianne Wirthner ihre Motivation für den Laufsport. Die 34-Jährige läuft seit 14 Jahren leidenschaftlich gerne und absolvierte bereits zahlreiche Wettkämpfe.
Während andere sich bereits im Flachen schwertun, waren bei Josianne Wirthner 15 ihrer bisher 16 Marathons Bergläufe. «Ich liebe halt einfach die Berge», lacht die Walliserin.

Der Startschuss für ihr intensives Training fiel im Jahr 2005. «Nach einem Auslandsjahr arbeitete ich in einem 80 %-Pensum im Bereich Marketing bei der Matterhorn Gotthard Bahn. Die freie Zeit wollte ich unbedingt sinnvoll nutzen.» So begann die damals 20-Jährige mit dem Laufen. Zuerst kurze Strecken: Vier Kilometer, sechs Kilometer, acht Kilometer – langsam steigerte sie ihr Training. Solange, bis sie bereits ein Jahr später am Start des Gornergrat Zermatt Marathons stand. Ihre Aufgabe war es, die erste Etappe von rund 21.1 Kilometern zu absolvieren, ehe sie ihrem Staffelpartner den Stab für die zweite Hälfte übergeben sollte. «Ich war unglaublich nervös und wollte es unbedingt schaffen. Schliesslich wartete mein Staffelpartner in Zermatt auf mich», erinnert sie sich.

Seit ihrer erfolgreichen Teilnahme am Staffel­Marathon läuft Josianne Wirthner regelmässig. «Am liebsten laufe ich gemeinsam mit meinem Vater, meinem Bruder, meiner Schwester oder Freundinnen. Das Trainieren mit anderen macht mir immer mehr Spass.» Ausdauer allein ist jedoch nicht der Schlüssel zum Erfolg: «Es braucht in erster Linie Willenskraft. Jeder, der bei guter Gesundheit ist und sich ein Ziel setzt – sei es ein Halbmarathon oder Marathon – kann es mit der richtigen Einstellung erreichen», ist sie überzeugt.

Ein Doppelmarathon als Herausforderung

Das persönliche Highlight ist für Josianne Wirthner der Gondo Doppelmarathon. Bereits sechs Mal hat sie sich an den Start der 84.4 Kilometer lange Strecke gewagt. Doch um ins Ziel zu kommen, ist eine entsprechende Vorbereitung nötig. Mittels eines extra für sie erstellten Trainingsplanes bereitete Josianne Wirthner sich gemeinsam mit einer Freundin auf den Wettkampf vor. «Der Plan legt die Intensität sowie Länge der Trainingseinheiten fest», erklärt sie. Zum Aufbautraining gehörte auch die Teilnahme an diversen Läufen im Voraus wie beispielsweise dem Aletsch Halbmarathon oder dem Zermatt Halbmarathon. Um auf die Höhe vorbereitet zu sein, wandert die Walliserin teils bereits früh morgens hinauf auf die umliegenden Berge ihrer Heimat.

Nach vier Monaten intensiver Trainingszeit stand der erste Wettkampftag bevor. «Mein Wecker klingelte um 04.30 Uhr. Gleich nach dem Aufstehen ass ich eine Portion Pasta.» Teigwaren zum Frühstück? Für Josianne Wirthner ist das wichtig, denn sie benötigt die Energie später. Um 08.00 Uhr fiel der Startschuss für das Rennen. Vor Josianne Wirthner und ihrer Freundin lagen 42.2 Kilometer und 2 000 Höhenmeter. «Von meinem Training bin ich es gewohnt, mit anderen zu laufen. Das beängstigt mich nicht, sondern schafft Motivation.» Gute sechs Stunden waren die beiden jeweils unterwegs, bis sie in Ried-Brig die Ziellinie überqueren. «Natürlich sind wir in diesem Moment glücklich über unsere Leistung. Dennoch müssen wir immer im Hinterkopf behalten, dass ein zweiter Wettkampftag und damit ein weiterer Marathon mit 2 200 Höhenmetern folgt.»

Kämpfen bis zum Schluss

Am Abend lagerte sie die Beine hoch, verzehrte ein reichliches Mal und ging früh schlafen. «Wenn man am zweiten Tag aufwacht, schmerzt meist der ganze Körper.» Ein Grund zum Aufgeben war dies aber keinesfalls: «Es ist reine Kopfsache. Ist man überzeugt, dass man es schafft, dann schafft man es auch.» So kämpfte Josianne Wirthner insbesondere am zweiten Tag mehr gegen sich selbst als gegen ihre Mitstreiter. Dies zeigte sich auch in der Stimmung unter den Läufern – keiner, der hier startete, ist ein Konkurrent: «Wir feuern uns gegenseitig an und helfen einander.»

Nach 83.9 zurückgelegten Kilometern konnte Josianne Wirthner dann endlich aufatmen: Vor ihr stand die Tafel «500 Meter bis Gondo». «Dieser Moment ist unglaublich erleichternd. Man sieht bereits das Dorf und hört Stimmen aus dem Zielbereich», erzählt sie. Die letzten Meter absolviere man fast fliegend, ehe man dann über die Ziellinie laufe: «Ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann, man muss es selbst erlebt haben», schwärmt die 34-Jährige.
Im Ziel warteten Familie, Bekannte, Lauffreunde und der Gemeindepräsident. Dort angekommen wurde gratuliert und gejubelt. Bis in die Abendstunden sass man zusammen und tauschte sich über das Erlebte aus: «Gemeinsam freuen wir uns, dass durchgehalten haben und gesund im Ziel angekommen sind!»

«Ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann, man muss es selbst erlebt haben.»