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Zu Besuch bei Rudolph

Im tiefsten Tal der Schweiz wohnen sechs Rentiere. Rudolph und seine flauschigen Gesellen sind jedoch nicht dem Nikolaus entlaufen, sondern gehören dem Walliser Reto Summermatter. Während andere Kühe oder Ziegen züchten, hat sich der 34-Jährige seinen Traum vom eigenen Rentiergehege erfüllt.

TEXT: Deborah Bischof

Rentiere im Wallis, Schweiz

Reto Summermatter wohnt auf 1 280 Metern über Meer in Herbriggen, einem kleinen Dorf der Gemeinde St. Niklaus, im Mattertal. Der Walliser war schon von klein auf von Rentieren fasziniert. Brachliegendes Land von seinem Vater ermöglichte ihm dann, den Traum einer eigenen Rentierherde. «Leider war der Weg mühsamer als gedacht. Insgesamt musste ich 20 Bewilligungen einholen sowie eine zweijährige Ausbildung zum Wildtierhalter absolvieren», erinnert er sich. Letzten Endes lohnte sich der Aufwand; denn im Jahr 2014 zogen die ersten Rentiere – Rudolph-Theophil, Norway, Mulan und Anima – ins Gehege ein.

Nachwuchs in der Rentier-Familie

Aus anfänglich vier wurden über die Jahre sechs Tiere: «Aktuell habe ich zwei Männchen, drei Weibchen sowie ein Jungtier. Der kleine Leevi ist sogar hier zur Welt gekommen», erzählt der stolze Besitzer. Stolz kann Reto Summermatter zu Recht sein, denn die Zucht der Hirschart ist kein Leichtes. Rentiere haben nur einmal im Jahr Brunft und die Tragzeit dauert mit acht Monaten relativ lange. Ausserdem gibt es in der Schweiz nur rund fünfzig Rentiere, weshalb die künstliche Befruchtung hierzulande bisher nicht erforscht ist. Reto Summermatter musste mit der Rentierdame Anima, der Mutter des kleinen Leevi, einen weiten Weg zurücklegen, um sie zu einem Männchen zu bringen. Und auch dann galt es weiter zu hoffen, denn Rentieren sieht man erst sehr spät an, dass Nachwuchs auf dem Weg ist. Die Geburt des kleinen Leevi vor eineinhalb Jahren im Mai 2017 war deshalb eine besonders grosse Freude.

Hohe Anforderungen bei der Rentierhaltung

Bei der Pflege der flauschigen Vierbeiner bedarf es einiges an Wissen. «Rentiere brauchen viel Rohfasern», erklärt Reto Summermatter. Da sich das Gehege zu einem Grossteil im Wald befindet, finden die Tiere hier viel Gras, Flechten und Rinde. Ergänzend füttert Reto Summermatter morgens Mais und abends ein Kraftfutter, bestehend aus Soja und gepresster Flechte. Daneben stehen immer drei Haufen mit Heu und Emd zur Verfügung. Auf gute Qualität gilt es zu achten, denn Rentiere sind wie Rehe Konzentratselektierer, was bedeutet, dass sie nur das beste Heu, Emd und Gras essen.

Mit 3.5 Hektaren bietet das Walliser Gehege den Vierbeinern viel Platz. Wie in freier Wildbahn verbringen sie hier Sommer wie Winter draussen. Mühe mit den kühleren Monaten haben sie nicht. Im Gegenteil, meist können sie nach einem heissen Sommer die ersten Schneeflocken kaum erwarten. «Ich sehe richtig, wie die Tiere bei kühleren Temperaturen aufblühen und aktiver werden.» Der Walliser nutzt die winterlichen Tage gerne, um mit seinen Lieblingen auf einen gemütlichen Schneespaziergang zu gehen.

Liebenswürdige Wildtiere aus dem Norden

Rentiere leben in den polaren sowie subpolaren Gebieten Europas und Asiens. Die Vierbeiner sind keineswegs Kuscheltiere, sondern nach wie vor Wildtiere. Mit einem Gewicht von bis zu 150 Kilogramm sowie einer Grösse bis zu 150 Zentimeter sollten sie besser nicht unterschätzt werden. Dennoch können sie sehr zahm sein, wenn sie einen kennen. «Wenn ich die Herde besuche, brauche ich lediglich zu pfeifen und schon kommen die Tiere aus allen Ecken des Geheges angerannt», erzählt Reto Summermatter. Dann lassen sich seine Schützlinge auch gerne von ihm streicheln.

Beitrag von RZOberwallis