Matterhorn Gotthard Bahn

 

Behindertengleichstellungsgesetz - Bahnhöfe der Matterhorn Gotthard Bahn werden barrierefrei

Ende des Jahres 2020 erreicht die Mattergorn Gotthard Bahn bei der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) einen wichtigen Meilenstein – mehr die Hälfte aller Bahnhöfe entlang der Strecke entsprechen dann den gesetzlichen Vorgaben. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat zusammen mit den Bahnen und dem Behinderten-Dachverband das Vorgehen zur Umsetzung des BehiG an den Bahnhöfen festgelegt. Demnach sollen bis Ende 2023 in der gesamten Schweiz rund 580 Bahnhöfe modernisiert und mit niveaugleichem Einstieg besser zugänglich gemacht werden. Für rund weitere 100 Bahnhöfe gilt aufgrund von Abhängigkeiten zu anderen Projekten eine verlängerte Frist. Für die MGBahn ist gemäss dieser Vorgaben das Ziel verbunden, bis Ende Jahr 2023 43 Bahnhöfe anzupassen.

Synergieeffekte dank der Kombination mit Instandsetzungs- und Ausbauarbeiten

Jede Bahnstation der MGBahn muss auf die Erfüllung des BehiG überprüft werden. Bei der Planung und Umsetzung gilt es zu prüfen, inwiefern sich erforderliche Substanzerhalts- oder Ausbauarbeiten mit den notwendigen Massnahmen im Zuge des BehiG im Sinne eines effizientes Ressourceneinsatzes und der Nutzung von Synergien kombinieren lassen. Die jeweiligen Bahnhofsumbauten erfolgen in Absprache mit dem BAV, das zugleich Aufsichts- und Bewilligungsbehörde sowie Finanzierungsgeber ist. Massgebliches Kriterium ist dabei die Verhältnismässigkeit. Bei höher frequentierten Bahnhöfen sind andere Baumassnahmen angebracht als bei Stationen mit wenigen Ein- und Aussteigern pro Tag. Dennoch müssen bei allen Stationen die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Vorgaben für den behindertengerechten Ausbau

Wichtigster Aspekt bei der behindertengerechten Gestaltung der Bahnhöfe ist die niveaugleiche Einstiegsmöglichkeit in die Fahrzeuge. Hierzu müssen die Perronkanten auf dieselbe Höhe wie die Eingangstüre der Fahrzeuge angehoben werden. Zudem sind die Zugänge zu den Perrons rollstuhlgängig zu erstellen. Dies bedingt zum Teil den Bau von Unter- oder Überführungen mit Rampen, die eine maximale Steigung von zwölf Prozent mit einer Überdachung, respektive 10 Prozent ohne Überdachung nicht überschreiten dürfen. Sind Rampen aus Platzgründen nicht möglich, können die Perrons auch mit einem Lift erschlossen werden. Ferner gilt für Personen mit Einschränkungen den Bezug eines Billetts am Automaten sicherzustellen und die Kommunikation für alle zu gewährleisten. Darüber hinaus müssen Sehbehinderte vom Bahnhofseingang bis zu den Fahrzeugen durchgehend mittels tastbarer Bodenleitsysteme mit Bodenindikatoren wie beispielsweise Rillen- und Noppenplatten geleitet werden.

Herausforderungen – langfristige Planung und Umsetzung bei laufendem Betrieb

Wie alle Infrastrukturprojekte benötigen die Bahnhofsumbauten eine intensive Planung bevor mit der Ausführung begonnen werden kann. Dabei dauert die Planungsphase üblicherweise länger als die Ausführungsphase. Sie setzt sich aus den Phasen Vorstudie, Vorprojekt, Auflageprojekt, Ausschreibung und Ausführungsprojekt zusammen. Erst nachdem die Ausführungsdokumente erstellt sind, können die Baumaschinen auffahren und mit der Realisierung begonnen werden. Bei einem Umbauprojekt ist üblicherweise mit rund drei Jahren Planung und ein bis zwei Jahren Ausführung zu rechnen.

Veränderungen an bestehenden Bahnanlagen benötigen grundsätzlich eine sogenannte Plangenehmigungsverfügung (PGVf) seitens des BAV als Bewilligungsbehörde. Aktuell stellt allein die Anzahl von Plangenehmigungsverfahren für die Umsetzung des BehiG die Beteiligten vor enorme Herausforderungen. Auch wenn sowohl die Transportunternehmen als Bauherren als auch das BAV bestrebt sind, die Bahnhofumbauten bis Ende 2023 termingerecht fertigzustellen, können  Verzögerungen aufgrund der Vielzahl an Anträgen und erforderlichen Bewilligungen nicht ausgeschlossen werden, wodurch die Planungssicherheit nicht immer gegeben ist.

Eine weitere große Herausforderung ist der Umbau bei laufendem Bahnbetrieb. Ziel ist es, den Fahrplan möglichst wie veröffentlicht abzubilden. Da die Bauarbeiten oftmals im unmittelbaren Gleisumfeld oder auf und an den Gleisen selbst stattfinden, kann das nicht immer gewährleistet werden. Obwohl die Arbeiten zum grossen Teil in die Nacht verlegt werden, sind für einzelne Massnahmen Totalsperren der Strecke unabdingbar. Dies zum Beispiel beim Erstellen einer neuen Unterführung oder dem Ersatz des Gleisunter- und Oberbaus. Die Sperrungen werden bewusst im verkehrsärmeren Zeitraum von Mitte Oktober bis Anfang Dezember terminiert, in der unter anderem der Glacier Express pausiert.

Umsetzungsstand

Bis Ende 2020 werden auf dem Netz der MGBahn 22 und damit mehr als die Hälfte der Bahnhöfe behindertengerecht ausgestattet sein. Im nächsten Jahr ist der Umbau der Stationen Betten, Grengiols und Lax im Goms sowie Acla da Fontauna in der Surselva geplant. Trotz aller Bemühungen und langfristigen Planungen werden jedoch nicht alle Stationen bis 2023 fristgerecht umgebaut sein. Dies gilt zum einen bei komplexeren, teilweise von anderen Projekten abhängigen Bahnhöfen wie in Brig, Andermatt oder Hospental und zum anderen für Stationen, bei denen es während der Dossierauflage Einsprachen gegeben hat, wie beispielsweise in Sedrun. Ziel ist es aber, in Absprache mit dem BAV bis Ende 2023 zumindest die Baubewilligung für sämtliche Stationen vorliegen zu haben.

Bilder von bereits angepassten Stationen

Stalden-Saas, Vorher

Nachher

Kalpetran, Vorher

Nachher

Bitsch, Vorher

Nachher

Biel, Vorher

Nachher

Ulrichen, Vorher

Nachher

Mumpé Tujetsch, Vorher

Nachher

Segnas, Vorher

Nachher