Matterhorn Gotthard Bahn

 

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Die Erlebnisbahn hat Zukunft

Fernando Lehner, CEO der Matterhorn Gotthard Bahn und der BVZ Holding, über Pionierleistungen von damals und Herausforderungen von heute.

Herr Lehner, benutzen Sie persönlich die Matterhorn Gotthard Bahn?

Selbstverständlich. Ich nutze unsere Bahn sehr oft. Beruflich bin ich regelmässig in Zermatt oder in Andermatt, da fahre ich immer mit dem Zug hin. Wenn ich am Wochenende mit meiner Familie wandern oder Ski fahren gehe, sind wir in der Regel auch mit der Bahn unterwegs.

Haben Sie einen Lieblingsabschnitt?

Oh, da stellen Sie mir eine schwierige Frage. (überlegt) Nein, für mich hat jeder einzelne Streckenabschnitt seinen Reiz. Die Landschaft entlang der gesamten Strecke von der Surselva durch das Goms und das Mattertal bis nach Zermatt, inmitten der ursprünglichen und einzigartigen Bergwelt, ist einfach faszinierend. Eindrückliche Drei- und Viertausender wechseln sich ab mit weiten Tälern. Da liesse sich noch so viel ergänzen

Die Landschaft hat sich glücklicherweise nicht gross verändert. Heute feiern wir das 125-Jahr-Jubiläum der Strecke von Visp nach Zermatt. Eine Pionierleistung?

Das Mattertal ist steil, eng und zerklüftet. Dennoch hat man es geschafft, in diesem Umfeld ein Bahntrassee zu bauen. Mit den Mitteln, die man im vorletzten Jahrhundert zur Verfügung hatte, kann man durchaus von einer Pionierleistung reden, die allerhöchsten Respekt verdient.

Wie fühlt es sich heute an?

Ich bin sehr glücklich und auch stolz darauf, dass ich heute die Matterhorn Gotthard Bahn als Nachfolgerin der Visp-Zermatt-Bahn mit einem grossartigen Team führen und weiterentwickeln darf.

Welchen Meilenstein in der Geschichte der Visp-Zermatt-Bahn finden Sie besonders erwähnenswert?


Die Bahn hat mit 125 Jahren auf dem Buckel selbstverständlich viele Meilensteine hinter sich. Von einem technischen Standpunkt aus betrachtet, war das Jahr 1929 aber wahrscheinlich das bedeutendste: Alle Dampflokomotiven wurden durch Elektrofahrzeuge ersetzt. Dadurch konnten die Fahrzeiten deutlich reduziert werden, was natürlich ein grosses Plus für die Reisenden war.

Die heutigen Herausforderungen einer Bahn sehen wohl etwas anders aus als damals?

Ja. Sie sind auf den ersten Blick auch etwas weniger spektakulär. Aber die Anforderungen an den Betrieb sind beispielsweise stark gestiegen. Wer hätte noch vor 100 Jahren gedacht – als ausschliesslich im Sommer Züge fuhren – dass wir heute das ganze Jahr im Halbstundentakt durchfahren?

Weshalb ist der Halbstundentakt so anspruchsvoll?

Seit Dezember 2014 verkehren zwischen Visp und Zermatt täglich 190 Züge, eine immense Zahl für ein weitestgehend einspuriges Streckennetz. Diese Verdichtung des Fahrplans stellte uns wie erwartet vor eine Reihe operativer und logistischer Herausforderungen. Die Zahlen zeigen jedoch, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben.

Inwiefern spielt auch das restliche Schweizer Bahnnetz für die MGBahn eine Rolle?


Wir sind mit dem Knoten Visp sehr gut in die Schweizer Bahnlandschaft eingebunden. Seit der Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels ist die Nachfrage auf dem Netz der MGBahn von Visp in Richtung Zermatt um 45 Prozent und von Brig in Richtung Fiesch um 37,5 Prozent gestiegen.

Welche grossen Veränderungen stehen der MGBahn noch bevor?

Aus heutiger Sicht geht es weniger um grosse Einzelfälle oder Meilensteine, sondern mehr um laufende Optimierungen auf allen Ebenen. Wir sind beispielsweise permanent dabei, die Zuverlässigkeit und die Sicherheit in und um unsere Züge zu verbessern. Nächstes Jahr werden wir zudem alle Bahnhöfe behindertengerecht ausgebaut haben und weitere Doppelspurabschnitte in Betrieb nehmen.

Wie sehen Sie die Zukunft der MGBahn?


Ich sehe unsere Zukunft positiv. Wir haben eine wunderbare Natur und Angebote, die das ganze Jahr über attraktiv sind, nicht nur im Sommer oder Winter. Mit der Gornergrat Bahn und dem Glacier Express haben wir zwei weltbekannte touristische Topprodukte. Wir dürfen uns aber nicht darauf ausruhen. Nur tolle Landschaften, eindrückliche Gebirgszüge und malerische Ortschaften genügen nicht. Es braucht nachhaltig in Erinnerung bleibende Ferienerlebnisse mit echten Mehrwerten – daran arbeiten wir täglich, in enger und guter Zusammenarbeit mit unseren Partnern.